#digital

Joellen Perry, Bluegrass-Sängerin, Zeitzeugin, Journalistin, Ad-Venture-Kapitalistin, Stimme der digitalen
Transformation, redet aber lieber über Inhalte statt Formate, findet und fördert neue Geschäftsmodelle für
den Journalismus, Digital Business Director, Living & Food, Gruner + Jahr, Hamburg.

Joellen Perry

I’m walking on sunshine...

Singen ist meine Leidenschaft und vor allem dieses Lied bedeutet mir viel, denn es ist das Lieblingslied meiner kleinen Tochter. Das singe ich wirklich jeden Tag. Nach meiner klassischen Gesangsausbildung habe ich einige Zeit als Profisängerin gearbeitet. Wenn ich mich ein Jahr lang nicht ums Geld verdienen kümmern müsste, würde ich es vielleicht noch einmal als Sängerin versuchen, schwärmt Joellen Perry. Vor allem, wenn es um das traditionelle amerikanische Musikgenre Bluegrass geht, fühlt sie sich von der Muse geküsst. Momentan singe ich aber eher viele Schlaflieder.

So reizvoll der Gedanke an eine Gesangskarriere auch sei, der Medienwelt, in der sie seit vielen Jahren erfolgreich arbeitet, könnte sie trotzdem nicht den Rücken kehren. Ich war jetzt fünf Monate in Mutterschutz und Elternteilzeit und habe mich trotzdem täglich mit Medien und Technologie beschäftigt. Das loszulassen, würde mir sehr schwer fallen.

Als Digital Business Director bei der Bertelsmann Tochter Gruner + Jahr ist Perry für die Communities of Interest Living und Food verantwortlich. Das ist an fuer sich nicht die einzige Prioritaet, denn ich finde, dass wir leider immer noch zu viel über die Plattform, also Print versus Digital, diskutieren und die Inhalte dabei leicht ins Hintertreffen geraten können, so Perry, darum freue ich mich schon jetzt auf den Tag, an dem die Inhalte wieder im Fokus stehen.

Die Transformation, die die Medienbranche derzeit erlebt, sei natürlich heftig und auch nicht gerade einfach, dennoch sieht Medienmuse Perry Gruner + Jahr für die Zukunft bestens gerüstet. Wir haben über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg eine gewisse Expertise entwickelt. Jetzt müssen wir herausfinden, wie wir diese Expertise auf andere Plattformen übertragen. Mit der Neuorganisation des Bereichs Digital im letzten Jahr habe man die besten Voraussetzungen dazu geschaffen. Im letzten Jahr war alles sehr auf die neue Organisation und Transformation ausgerichtet, in diesem Jahr konzentrieren wir uns auf die Ergebnisse, so Perry.

Die passende Inspiration für exzellente Produkte und den Ansporn, ihr Team zu motivieren, liefert dabei nicht nur der Blick aus ihrem Büro auf den Hamburger Hafen, sondern auch ein großes Poster an der Wand. Dieses Poster von New York ist ein Stück Heimat für mich, denn ich habe dort sehr lange gewohnt. Es gibt mir Sicherheit und ist mir sehr wichtig. Mein Mann dagegen würde sagen, dass mir mein Handy total wichtig ist, weil ich es immer dabei habe, lacht Joellen Perry, und das stimmt auch.

Die USA sei ihre Muse, so die gebürtige Amerikanerin. Sie lasse sich gerne von der amerikanischen Kultur inspirieren. Allerdings spiele auch die Internationalität eine wichtige Rolle in ihrem Leben: Mein Mann ist Halbitaliener, wir leben in Deutschland und wir haben gemeinsam eine kleine Tochter. Das ist schon sehr international und inspirierend.

In Deutschland betrachte sie sich jedoch als Outsider. Ich komme nicht aus Deutschland, das ist eine tägliche Herausforderung für mich. Und obwohl ich einen Masterabschluss in Business Administration habe, bin ich auch kein Verlagsmensch oder keine Businessperson im eigentlichen Sinne, denn ich war elf Jahre lang als Journalistin tätig.

Ich versuche allerdings meinen Outsider-Status, sowohl persönlich als auch professionell, zu meiner Stärke zu machen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ich verliere mich nicht in Details, da diese teilweise auch neu für mich sind. Ihr Outsider-Status gebe ihr die Möglichkeit, sich einfacher in Kollegen hineinversetzen zu können, so Perry, was wiederum ein Ansporn sein könnte, das Beste aus sich herauszuholen.

Nach ihrer Karriere als Journalistin habe sie bei Bertelsmann die Chance erhalten, im Verlagswesen zu arbeiten. Seitdem schreibe sie nicht mehr länger nur über die Branche, sondern sei ein echter Teil von ihr: Das ist die Chance, selbst Sachen anzupacken statt nur darüber zu schreiben! Durch diese neuen Erfahrungen und Eindrücke konnte sie besser die unterschiedlichen Standpunkte von Journalisten und Verlagen besser verstehen.

In ihrer Zeit als Journalistin ging es ihr vor allem darum, mit einer guten Story etwas zu verändern. Im Verlagswesen lernte sie jedoch, diese Geschichten und Produkten als Teil einer grosseren strategischen und firmlichen Bild zu sehen: Ich habe immer gedacht, ich leiste jeden Tag tolle Arbeit und die verkauft sich nicht? Was läuft da schief? Im Bertelsmann Konzern dagegen habe ich zum ersten Mal Menschen getroffen, die nicht nur meine Sorgen über die Veränderungen in der Medienwelt geteilt haben sondern auch gleichzeitig wussten, wie man damit umgehen koennte und hatten Lösungen parat. Das sei ein enormer Ansporn gewesen.

Die Zeit als Journalistin möchte Perry trotzdem nicht missen. Ich war Korrespondent und hatte die Chance, überall hinreisen zu können. Im zweiten Golfkrieg habe ich als embedded Reporter die US-Truppen an die Front begleitet und ich war drei Wochen in Afghanistan. In dieser Zeit habe sie viel gelernt, so Perry. Das war eine unglaubliche Chance, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen und die Aufgabe zu haben, sie verstehen zu müssen.

Mir ist es wichtig, Sachen zu verstehen,
darum stelle ich auch ganz viele Fragen.

Das ist definitiv ein Teil, den ich in meine tägliche Arbeit einbringe.

Auch will Joellen Perry ein Ansporn und Ideengeber für ihr Team bei Gruner + Jahr sein. Teamarbeit ist mir sehr wichtig, denn ich kann keine Ziele ohne mein Team erreichen. In meinem Team sitzen die Macher und ich bin ihr Anführer. Mir ist wichtig, dass das Team erfolgreich ist. Ich glaube, die wichtigste Grundlage dafür ist Vertrauen. Wenn die Mitarbeiter mein Vertrauen haben und ich ihrs, wenn es eine vernünftige Struktur gibt, so dass jeder seine Arbeit machen kann, dann ist Erfolg die logische Konsequenz.

Stress versucht Perry während ihrer täglichen Arbeit nicht aufkommen zu lassen: Ich war jahrelang Kellnerin. Da denkt man nicht, sondern man macht einfach. Wenn du zu viel über die Dinge nachdenkst, die du noch erledigen musst, wird es chaotisch. Darum versuche ich, mich auf die Sache zu konzentrieren und frei von Emotionen zu machen, denn nur dann kann ich effizient arbeiten.

Mit der Geburt ihrer kleinen Tochter hat neben ihrer Arbeit allerdings auch der Freizeitausgleich zunehmend Bedeutung erhalten. Gruner + Jahr waren absolut flexibel und haben mich sehr unterstützt, lobt Perry, Ich kann nicht genug Gutes über sie sagen, denn sie lassen mich Zeit mit meiner Tochter verbringen, was mir unglaublich wichtig ist. In den USA kann eine junge Mutter oft weit weniger erwarten.

Perry dankt es Gruner + Jahr, denn wenn sie ihrer Tochter Walking On Sunshine vorsingt, tankt sie Kraft und sammelt Inspiration für den nächsten Arbeitstag. Denn morgen wird sie ihr Team wieder aus voller Überzeugung anspornen und daran arbeiten, den Inhalt wieder in den Fokus zu rücken.

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