Zweiter Preis: Berlin - Grundy UFA
„WE WILL ROCK YOU“, Berlin!
...So lautete die Devise für den 15.9.2011, an dem sich das Team „RTL Group“ von „Talent Meets Bertelsmann 2011“ in Berlin traf, um seinen zweiten Preis einzulösen: Einen Strategieworkshop bei Grundy UFA inklusive Besichtigung der GZSZ Kulisse und abendlichem Musical-Besuch. Von Unternehmensseite begleiteten Johanna Scheffer, Projektmanager Employer Branding und Dr. Nico Rose, Director Corporate Management Development die Veranstaltung. Auf Teilnehmerseite waren Leon Windscheid, Richard Pollack, Alina Lingau, Sarah Krüger, Lukas Kirchner und Anja Bothfeld dabei. Nadine Strauß konnte auf Grund ihres Auslandssemesters in Greensboro, NC leider nicht teilnehmen – schickte der Gruppe über die TMB Facebook Fanpage aber liebe Grüße direkt nach Potsdam Babelsberg.
Der frühe Vogel fängt den Wurm
Um 9:45 Uhr war Treffpunkt am Berliner Hauptbahnhof, was für die Anreisenden aus Gütersloh, Paris oder Stockholm einen Frühstart bedeutete. Aber wir hatten an dem Tag ja auch noch einiges vor! Nach einer freudigen Begrüßung brachen wir gemeinsam in Richtung Potsdam Babelsberg zu dem Firmensitz der Grundy UFA auf. Dort empfing uns Thea Wulff, Leiterin Unternehmenskommunikation und Personalentwicklung. Sie führte uns in die Geheimnisse des „Daily Drama“ ein.
Geschichte schrieb und schreibt Grundy UFA vor allem mit „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, der ersten und seitdem erfolgreichsten täglichen Serie auf dem deutschen TV-Markt und der gleichzeitig stärksten Marke im Portfolio von RTL. GZSZ erreicht täglich über 3 Mio. Menschen und bietet gerade in der Zielgruppe der jungen Frauen eine hohe Reichweite mit geringen Streuverlusten. Das sind Zahlen, die beeindrucken. Im Kern geht es aber immer um bewegende Geschichten, so Thea Wulff. Und die entwickelt Grundy UFA nicht nur im Falle von GZSZ. Auch andere starke Programmmarken, wie „Unter Uns“ (RTL, seit 1994), „Verbotene Liebe“ (ARD, seit 1995) oder „Verliebt in Berlin“ (Sat.1, von 2005 bis 2007) stammen aus der Feder der Potsdamer Produktionsfirma. Organisatorisch ist die Grundy UFA als Tochterunternehmen der UFA und unabhängiger Produzent unter dem Dach der Fremantle Media angesiedelt. Als europäischer Marktführer im Bereich Daily Drama und Telenovela vertreibt das Unternehmen seine TV-Formate auch außerhalb Deutschlands mit großem Erfolg. „Verliebt in Berlin“ z.B. wurde in Frankreich zu einem Quotenhit.
Es wird immer gedreht – egal, was passiert!
Die Produktion eines Daily Drama ist eine logistische Meisterleistung: 23 Hauptdarsteller, limitierte Gastrollen, Kinderrollen, eine begrenzte Anzahl an festen Dekos, Vorgaben für die Anzahl an Studio- und Außenszenen etc. gilt es zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. Jede Woche sind bei GZSZ 70 verschiedene Folgen parallel in Bearbeitung und die Fertigstellung erfolgt mit einem Vorlauf von 6 Wochen vor Ausstrahlung. Kommunikation innerhalb des Produktionsteams ist hier das A und O und wenn es hart auf hart kommt, wird die Story auch mal kurzfristig den Rahmenbedingungen angepasst. Die Postproduktion bewegt sich übrigens auf Hollywood-Niveau und wer sich schon immer fragte, von wem das Zitat „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“ stammt, dem sei an dieser Stelle auch geholfen. Es war Helmut Thoma, ehemaliger RTL-Senderchef, der diese Worte sprach und 1992 trotz schlechter Quoten und starker Widerstände an das Format GZSZ bzw. das Genre der täglichen TV-Serie glaubte. Er sollte Recht behalten...
Darsteller mit Profil
Es geht nicht zwangsläufig um die Beliebtheit der Darsteller; vielmehr muss eine Figur in ihrem Charakterprofil verstanden werden, um erfolgreich zu sein – so Rainer Hassenewert, Head of Research UFA. Das führt uns auch gleich zu der Kernbotschaft des Vortrags zum Thema Research und Qualitätsmanagement, dem wir beiwohnen durften: Der Erfolg von Daily Dramas fußt auf intensiver Forschung und dem effizienten Umgang mit den Forschungsergebnissen. Im quantitativen Bereich sprechen wir in erster Linie von der Ermittlung der TV-Quoten, die auf Grund von zeitversetztem TV-Konsum, diversifizierter Technologie und paralleler Mediennutzung immer komplexer wird. Prinzipiell bietet der TV-Markt aber Grund zur Hoffnung, denn Fernsehen wächst und bleibt in Sachen Reichweite ungeschlagen. In qualitativer Hinsicht bieten sog. „Soap Checks“ mit ihrer physiologischen und kognitiven Messung wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung und Steuerung von Storys und Figuren. Je profilierter die Messwerte eines Darstellers, umso besser. Eines kann auf jeden Fall festgehalten werden: Stirbt ein Darsteller in der Fiktion oder geht er auf Reisen kann dies viele Gründe haben, aber es ist mit Sicherheit kein Zufall...
Probe, Probe mit Technik, Dreh
Nach Kaiserschmarrn, Suppe oder Pasta in der Kantine führte uns Christian Scheerer, Produktionsleiter bei Grundy UFA durch Studios und Außenkulisse von GZSZ. Wer das Daily Drama verfolgt: Wir liefen durch Tayfuns Spätkauf, waren mitten im Mauerwerk und standen bei Jo Gerner im Wohnzimmer, wo während unserer Besichtigung gerade eine Szene gedreht wurde. Interessant auch die Außenkulissen, die von vorne täuschend echt wirken, aber größtenteils doch „nur“ aus Holz sind. Auch hier wurde parallel gedreht, so dass wir langsam eine Ahnung davon bekamen, was für ein Aufwand es sein muss, 80 Bilder pro Woche zu disponieren.
Zurück im Head Office von Grundy UFA beantwortete Guido Reinhardt, Produzent und Creative Director Grundy UFA letzte Fragen der Gruppe. Er arbeitete auch das Jobprofil eines Produzenten sehr deutlich heraus. An dieser Stelle ein kurzer Test: Was glaubt ihr, wie viel Entscheidungen ein Produzent am Tag zu treffen hat? ...Es sind ca. 120 – und das verlangt Mut. Darüber hinaus setzt sich der Produzent viel mit Marketingfragen auseinander: Jedes Format ist eine eigene Marke; was ist der USP, das emotionale Markenversprechen? Wie fallen die Ergebnisse der Markenanalyse aus – ist man dem Ursprungskonzept noch treu geblieben? Bei Konzepttagen, Future Days und Character Days werden gezielt die gesellschaftlichen Veränderungen, die Ziele/Träume/Wünsche der Darsteller und die sozialen Verbindungen zwischen den Darstellern unter die Lupe genommen.
Was die Zukunft des Daily Dramas anbelangt, ist Guido Reinhardt positiv gestimmt. Er glaubt zutiefst an die Kraft von Geschichten, denn Geschichten bewegten die Menschen zu Zeiten der griechischen Tragödie genauso wie heute; sie waren nur anders angelegt. Um erfolgreich zu sein, muss es gelingen, immer stärkere Geschichten zu erzählen – frei nach dem Prinzip: Füge den Charakteren, die dir am wichtigsten sind das Schlimmste zu. Und dann lasse sie da heraus kommen... Wohin die erzählerische Reise geht – bei GZSZ und darüber hinaus – versucht Grundy UFA als Marktführer natürlich aktiv mit zu gestalten. Konzepte dafür sind bereits in der Pipeline. Soviel sei an dieser Stelle verraten: Die Figuren erhalten eine ganz neue Relevanz und neben der inhaltlichen Komponente im Zentrum wird der Vertriebsweg des Stoffes zunehmend crossmedial.
Keine Zeit zu verlieren
Es ging Schlag auf Schlag weiter: Mit dem Taxi zum Bahnhof Potsdam, mit der Bahn zurück nach Berlin, Zimmer beziehen im Motel One Ku’Damm, ein köstliches Abendessen im italienischen Restaurant Nuovo Mario und finally Check-In im Theater des Westens. Toll auch, dass unsere Workshop-Leiter von TMB 2011 Kristian Costa-Zahn, Head of Creation UFA Lab / UFA Interactive und Jens-Uwe Bornemann, Head of Business Development & Strategy / Head of UFA Lab bei der UFA Film & TV Produktion GmbH am Abend zu uns stießen und extra für uns eine andere Veranstaltung absagten. Gemeinsam sangen, wippten oder schmunzelten wir bei „WE WILL ROCK YOU“, dem Queen Muscial. Und natürlich blieb es nicht bei dem Theater des Westens als letzte Location. Mit Berliner Weisse ließen wir den Abend ausklingen... Nach einem Frühstück am Folgetag hieß es dann Abschied nehmen. Aber spätestens in einem Jahr, zum Alumnitreffen von „Talent Meets Bertelsmann“ sehen wir uns hoffentlich alle wieder. Es hat großen Spaß gemacht! Vielen Dank an alle Beteiligten!
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