#creativity

Jens-Uwe Bornemann, Netzwerker, Digitaler Pionier, Gründer des UFA Labs, spürt digitale Trends auf, bevor andere daran denken,
Diplomat und Pragmatiker, führt Old und New Economy zusammen, ohne festen Arbeitsplatz, managt und arbeitet komplett mobil,
ständig in der Luft, zum Runterkommen offline in der Natur, Senior Vice President Digital Europe, FremantleMedia, Berlin.

Jens Uwe Bornemann

Die Arbeit mit jungen Start-ups ist sehr inspirierend

Die Energie und den Willen, Sachen komplett neu zu schaffen und keine Angst vor der Zerstörung tradierter Geschäftsmodelle und etablierten Strukturen zu haben, finde ich extrem spannend, gerät Jens-Uwe Bornemann ins Schwärmen. Meine Herausforderung besteht darin, in diesen Situationen geschickt zu vermitteln, gut zu kommunizieren und Aktivitäten in die richtigen Bahnen zu lenken, um so gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. Bei FremantleMedia kümmert er sich u. a. um die digitale Transformation der UFA-Gruppe und sorgt mit der Entwicklung und Umsetzung einer einheitlichen Digitalstrategie dafür, dass die Bertelsmann-Tochter zukunftsfähig bleibt. In diesem Zusammenhang gründete Bornemann vor fünf Jahren das UFA Lab, in dem die UFA mittlerweile ihre Digitalaktivitäten bündelt. Das UFA Lab ist eine Plattform, auf der wir die alte, erfahrene Produktionswelt mit den jungen, wilden digitalen Start-ups zusammenbringen und sozusagen das Beste aus beiden Welten kombinieren. Angefangen hat alles in einer kleinen Ecke meines Büros. Mittlerweile nennen wir 450 Quadratmeter unser eigen, berichtet der Visionär stolz,

hier können die ‚alten Hasen‘ gemeinsam mit jungen Talenten innovative Inhalte, Konzepte und neue Geschäftsmodelle aufbauen.

Als Senior Vice President Digital Europe betreut er Mitarbeiter in Berlin und München. Eine halbe Woche bin ich in Berlin beim Team und eine halbe Woche in Köln. Ich fliege also ständig hin und her. Über die Jahre hinweg habe er das Flugzeug als Transportmittel und Arbeitsplatz schätzen gelernt: Da meine Rolle eine starke internationale Komponente hat und ich auch innerhalb Deutschlands zu vielen verschiedenen Standorten reisen muss, befinde ich mich eigentlich permanent im Transfer.

Das Reisen macht bestimmt 50 Prozent
meiner Arbeitszeit aus.

Deshalb habe er seinen Tagesplan optimiert und nutze Transferzeiten für Telefontermine oder sonstige Arbeiten. Allerdings könnten ihm die verschiedenen Zeitzonen schon mal einen Strich durch seine Planung machen: Mein Chef sitzt in New York. Wenn er aufwacht, ist es bei mir schon 15 Uhr am Nachmittag. Andere Kollegen arbeiten in San Francisco. Wenn bei denen die Sonne aufgeht, geht sie hier bereits wieder unter. Das ist ziemlich tricky. Mein Posteingang ist jedenfalls immer voll, lacht Bornemann. Kein Wunder, dass er gerne auf alternative Reisemethoden umsteigen würde. Das Beamen würde mir sehr helfen. Bis das allerdings erfunden ist, muss er auf technologische Alternativen wie Smartphones oder Tablets setzen. Das mobile Arbeiten hilft extrem. Früher warst du an deinen Arbeitsplatz gebunden. Da war es undenkbar, dass du wegfährst. Als das erste Handy auf den Markt kam, habe ich unseren Produzenten eins gekauft, weil die einfach nie für Entscheidungen erreichbar waren. Später haben sie mich dann verflucht, weil sie immer erreichbar sein mussten.

Privat ist Bornemann dagegen gerne offline. Im Urlaub schalte ich alle Geräte rigoros ab. Dann brauche ich einfach meine Ruhe. Zum Ausgleich treibe er sehr viel Sport oder treffe sich mit seinen fünf Geschwistern. Auf das Reisen kann er aber auch in seiner Freizeit nicht verzichten. Ich bin auf einer Nordseeinsel aufgewachsen und verbringe dort gerne die Zeit mit meiner Familie und gehe in die Natur. Wenn ich ein Jahr lang tun und lassen könnte, was ich wollte, würde ich viel reisen. Ich würde mir ein Around-the-world-Ticket kaufen und mir Zeit nehmen, um fremde Länder und Kulturen zu erforschen und viele Eindrücke zu sammeln.

Sein Forscherdrang war es auch, der den diplomierten Volkswirt damals zu Bertelsmann trieb. Während meines Studiums habe ich mich sehr früh auf Medienmärkte und Digitalisierung fokussiert. Die Fernsehbranche war zu der Zeit die einzige, die noch nicht von der Digitalisierung betroffen war – das stand ihr erst noch bevor. Die Musikindustrie drohte bereits am Umbruch zu scheitern und auch für die Printbranche sah es nicht gerade gut aus. Die Bewegtbildindustrie dagegen hatte durch andere Markteintrittsvarianten die Möglichkeit, die Digitalisierung proaktiv zu nutzen. Das hat mich sehr gereizt. Darüber habe ich dann meine Diplomarbeit geschrieben und so den Einstieg bei Bertelsmann geschafft.

Die Medienbranche befindet sich momentan immer noch mitten im digitalen Umbruch und steht täglich vor vielen Herausforderungen, aber auch Chancen, die Bornemann antizipiert. Das Mediennutzverhalten hat sich komplett geändert, der Onlinebereich ist hinzugekommen und es gibt keine etablierten Geschäftsmodelle mehr. Fernsehen wird immer dominierend bleiben, ist sich der Seinerzeitvorausdenker sicher, aber der gesamte Onlinevideobereich, der dort entsteht, ist extrem spannend und hat bereits viele Start-up-Unternehmen mit destruktiven Geschäftsmodellen hervorgebracht. Und genau an diesem Scheideweg steht momentan die Bewegtbildindustrie.

Jetzt wird deutlich, ob sie die gleichen Fehler wie die anderen Branchen machen wird oder ob sie die richtigen Weichen stellt.

Den Bertelsmann-Konzern jedenfalls sieht Bornemann für die Zukunft bestens aufgestellt, nicht zuletzt auch durch die Gründung des UFA Labs. Das Vertrauen dafür zu bekommen und dann am Ende auch zu sehen, wie es wächst und gedeiht, gehört zu meinen schönsten Erlebnissen und Erfolgen. Damit das so bleibt, setzt Bornemann auf die Kooperation mit seinen Kollegen. Kreative Teams sind sehr stark durch emotionale Einzelcharaktere, die Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet sind, geprägt. Sie zu einer produktiven Zusammenarbeit zu bringen, ist eine Herausforderung und nur zu schaffen, wenn es eben ein vertrauensvolles Verhältnis untereinander gibt und Kritik geäußert werden kann. Ohne Kritik und Auseinandersetzung gibt es keinen kreativen Schaffensprozess. Kritik trägt also einen wichtigen Teil zum Erfolg bei, ist sich Bornemann sicher. Allerdings darf es auch kein permanenter Kritiksturm sein. Darum führen wir Workshops durch, in denen wir lernen, wie man konstruktive Kritik äußert. Und dann können so neue Ideen wachsen und gedeihen. Und wenn man von einer eigenen Idee und Vision so überzeugt ist, dass man es schafft, andere mitzunehmen und mitzureißen, sie davon zu überzeugen und es tatsächlich umzusetzen, dann ist das das Schönste, was einem hier passieren kann. In diesem Sinne will Bornemann weiterhin für ein schöpferisches und geistreiches Arbeitsklima sorgen und so zukunftsweisende Geschäftsideen erforschen.

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